Otto Herbert Hajek

Hommage á Willy Brandt zum Friedensnobelpreis, 1971

Serigrafie

 

Otto Herbert Hajek wird 1927 in Kaltenbach (Tschechien) geboren. Er flieht nach Deutschland und studiert nach dem Krieg von 1947 bis 1954 Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Bereits seit 1958 nimmt er an verschiedenen internationalen Ausstellungen und Präsentationen teil.

Hajeks Raumknoten und Raumschichtungen Ende der 1950er Jahre gaben der Plastik des Deutschen Informel einen wesentlichen Impuls. Er schafft Plastiken für den öffentlichen Raum und ist mit zahlreichen „Kunst-am-Bau“ Aufträgen betraut. Dabei hat er mit seiner Kunst in besonderem Maße den Menschen im Blick. Er setzt sich für eine humane Gestaltung der Umwelt ein und sieht in der Kunst ein wichtiges Werkzeug dazu.

«Kunst stiftet Gemeinschaft.» [Otto Herbert Hajek], und demnach sieht er den Künstler als aktiven Teil der Gesellschaft, der mitwirkt und nicht nur am Rand, in der Abgeschiedenheit des Ateliers, agiert.

Mitte der 1960er Jahre entwickelt sich Hajeks typische Form- und Farbsprache: Er beschränkt sich fortan auf einfachste geometrische Formen wie Dreieck, Trapez und Parallelogramm. Hinsichtlich der Farben kommt er von nun an mit Rot, Blau und Gelb (bzw. Gold) aus. Neben den Freiplastiken und Raumgestaltungen entsteht auch ein umfangreiches druckgrafisches Werk, das in der Formensprache mit den bildhauerischen Arbeiten korrespondiert.

Hajeks Hommage á Willy Brandt zum Friedensnobelpreis, 1971 ist ein schönes Beispiel für die Reduktion auf wenige geometrische Formen. Und obwohl diese Serigrafie nichts von einem typischen Porträt hat, so stellt Otto Herbert Hajek doch den Politiker in den Mittelpunkt und charakterisiert ihn und sein Leben mit wenigen Zeichen und Symbolen. Dabei gleicht die mittlere Anordnung der weiß gerahmten Rauten einer Säule, die Willy Brandt symbolisiert. Die übrigen Farbflächen stehen für verschiedene Stationen im Leben des Politikers, wobei der Bezug zu Deutschland mit der Farbgebung Schwarz-Rot-Gold deutlich hervorgehoben ist, jedoch nicht die ganze Fläche dominiert. Willy Brandt ist hier nicht nur der deutsche Staatsmann, sondern auch der Flüchtling, der Emigrant im Widerstand und die facettenreiche Privatperson, abseits des politischen Protokolls.

Diese Arbeit entstand als direkte Reaktion auf die Verleihung des Friedensnobelpreises und sollte ein Geschenk Hajeks an seinen Freund Willy Brandt sein. Eine limitierte Auflage ging auch in den Verkauf. Später wurde das Blatt mit leichten Veränderungen für die sozialdemokratische Wählerinitiative herausgegeben und viele tausend Mal gedruckt.

Otto Herbert Hajek verstarb 2005 in Stuttgart.