Michael Morgner
M. überschreitet den See bei Gallenthin, 1983
Lavage über Serigrafie nach Videoaktion
Michael Morgner wurde 1942 in Chemnitz geboren. Von 1961 bis 1966 studierte er an der Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig, danach kehrte er nach Karl-Marx-Stadt zurück und ließ sich dort als freischaffender Künstler nieder, ohne aber offizielle Anerkennung zu finden. 1973 ist er an der Gründung der Galerie Oben in der Innenstadt von Karl-Marx-Stadt beteiligt, die als Hort widerständiger Meinungsäußerungen bis 1989 unter behördlicher Beobachtung steht. Klaus Werner, der Leiter der Ostberliner Galerie Arkade richtet ihm 1976 die erste Einzelausstellung aus und macht ihn damit mit Angehörigen der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik bekannt.
1977 gründete er zusammen mit Carlfriedrich Claus, Thomas Ranft, Dagmar Ranft-Schinke und Gregor-Torsten Schade (Kozik) die Künstlergruppe und Produzentengalerie Clara Mosch in Adelsberg, einem Stadtteil von Karl-Marx-Stadt. Trotz der erzwungenen Anbindung an den Kulturbund kann die Galerie weitgehend unabhängig arbeiten, die über Klaus Werner vermittelten Kontakte in die Ständige Vertretung machen die ersten Videoexperimente und Videoaufnahmen von Pleinairs möglich.
Um die Dokumentation (und künstlerische Bearbeitung) einer solchen Aktion handelt es sich bei der Serigrafie „M. überschreitet den See bei Gallenthin“. In einer kaum misszuverstehenden Anspielung auf die Überschreitung des Sees Genezareth unternimmt Michael Morgner 1981 den Versuch, den See beim mecklenburgischen Gallenthin zu überqueren. Das (vorhersehbare) Scheitern – Michael Morgner geht buchstäblich baden – lässt die Aktion zur ironischen Abrechnung werden – mit den Versuchen, Christus als sozialistische Figur zu deuten, wie auch mit den Heilsversprechen des in der DDR gepflegten Marxismus-Leninismus.
Versuche von Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit, Michael Morgner durch Privilegierung, Aufträge und Reisemöglichkeiten (ins westliche Ausland), aus der Gruppe herauszubrechen (und diese damit zu destabilisieren) scheitern. Bis zur Wende bleibt er als unangepasster Künstler in seinen Ausstellungsmöglichkeiten beschränkt.
Michael Morgner ist Mitglied der Freien Akademie der Künste zu Leipzig und lebt in Einsiedel bei Chemnitz.
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